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Abschied nach eineinhalb Jahren
Abschied nach eineinhalb Jahren
Pfarrer Uwe Michler steht auf der Berger Straße © Benjamin Holler

Abschied nach eineinhalb Jahren

Pfarrer Uwe Michler verlässt St. Josef

Von Sabine Börchers

Wenn am Pfingstmontag, 21. Mai 2018, alle vier Kirchorte der Pfarrei St. Josef Frankfurt in der Heilig Kreuz-Kirche den traditionellen gemeinsamen Gottesdienst feiern, ist das zugleich ein Abschied. Pfarrer Uwe Michler wird St. Josef nach gut eineinhalb Jahren im Amt Ende Juni verlassen.

Er habe lange überlegt und gerungen, bis die Entscheidung gefallen sei, betont er. Seit der Bildung der Pfarrei neuen Typs mit insgesamt vier Kirchorten seien noch immer manche strukturelle und inhaltliche Fragen offen. Vor allem die deutlichen Personalveränderungen hätten die Kirchorte und das Pastoralteam vor neue Herausforderungen gestellt. Ihm sei klar geworden, „dass das Team und die Pfarrei in dieser Situation eine deutlichere und entscheidungsfreudigere Leitung braucht“, und dass er hierbei selbst an seine (auch gesundheitlichen) Grenzen stoße.

Uwe Michler vor dem Kreuz in der Alten Josefskirche. "Immer getrieben von der Frage, wie Glaube gelebt werden kann." © Benjamin Holler

In Absprache mit dem Bistum Limburg wird Michler im Laufe des Jahres eine neue Aufgabe übernehmen. „Es wird frankfurtnah sein, es ist aber noch nicht klar, wo“, sagt er und fügt hinzu, dass er gerne als Kooperator und nicht mehr als Leiter einer Gemeinde tätig werden würde. Ein Grund dafür ist, dass er noch mindestens zwei Jahre lang nebenamtlich das Amt des Diözesan-Jugendpfarrers ausüben möchte, in dem er für die seelsorgerische Begleitung der Jugendarbeit im Bistum Limburg zuständig ist. Vor kurzem wurde er zudem erneut für drei Jahre zum Präses des Limburger Diözesanverbandes des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend gewählt. „In den vergangenen eineinhalb Jahren hatte ich durch die Verwaltungs- und Organisationsaufgaben in der Pfarrei für diese Ämter kaum Zeit.“

Gremien müssen Nachfolger zustimmen

Ein Nachfolger für St. Josef sei bereits designiert, der voraussichtlich aus der Nähe von Frankfurt nach Bornheim wechsele, betont Michler. Die Gremien der Gemeinde und des Bistums müssten seiner Einstellung noch zustimmen. „Er wird wohl zu Beginn des neuen Kirchenjahres kommen. In der Zwischenzeit übernimmt Pfarrer Joachim Metzner, der Leiter des Trauerzentrums St. Michael, die Pfarrverwaltung.“

Der Abschied aus Bornheim fällt Pfarrer Michler nicht leicht. „Besonders im vergangenen halben Jahr bin ich hier heimisch geworden und habe viele Menschen besser kennengelernt, die ich vermissen werde.“ Auch das Wohnen im Pfarrhaus mittendrin auf der Berger Straße werde ihm fehlen, betont er. Die Arbeit in der Großstadt hatte ihn gereizt, nachdem er zuvor elf Jahre lang im 12.000-Einwohner-Ort Diez bei Limburg tätig war, in dem rund 70 Orte mit insgesamt 9.000 Katholiken zu einer Pfarrei zählten. Zudem hat er aus Studienzeiten an der Hochschule Sankt Georgen noch viele Freunde in Frankfurt.

Wieder mehr Zeit für Theologie - für Michler und St. Josef

Für Theologie hatte sich der gebürtige Weilburger schon früh interessiert. „Ich bin in einem katholisch geprägten Milieu aufgewachsen, ich habe damals viele positive Erfahrungen mit Priestern und Religionslehrern gemacht“, erzählt er. Da lag es nahe, selber diesen Weg einzuschlagen. Im Juni 1999 wurde er im Limburger Dom zum Priester geweiht, anschließend war er als Kaplan in Königstein und Dillenburg tätig. „Ich denke, Priester ist einer der Berufe, in denen man – mal von äußeren Rahmenbedingungen wie dem Zölibat abgesehen – aktiv und ohne viele Vorgaben arbeiten kann“, beschreibt er, was ihn an seiner Tätigkeit besonders interessiert. Seine Arbeit stehe für ihn immer unter der Grundfrage, „wie können wir unter heutigen Bedingungen Glaube leben und versuchen, eine Gemeinde zu sein“.

Sich mit solchen Themen wieder mehr beschäftigen zu können, das erhofft er sich auch künftig für die Pfarrei St. Josef. „Im August kommt eine weitere neue pastorale Mitarbeiterin. Durch die personelle Verstärkung wird hoffentlich ein besseres Miteinander zwischen den Kirchorten und der Gesamtpfarrei entstehen.“ Dann sei auch ein stärkerer Fokus auf die inhaltliche Ausrichtung der Gemeinde, darauf, was ihr wichtig ist, wie sie nach außen auftreten möchte und was sich verändern sollte, wieder möglich.